Schüler hören gespannt zu
Autor und Ex-Häftling Lothar Berg lehrt Anti-Gewalt-Verhalten
Quelle: Berliner Woche, 20.12.2006

Lichterfelde. "Gewalt ist keine Lösung": Wie man diese Weisheit mit Inhalt füllt, zeigte Lothar Berg, Schriftsteller und Initiator der Initiative "Fenster der Gewalt" an der Max-von-Laue-Oberschule.

"Wenn ich wütend bin, zähle ich bis zehn, und dann ist die Wut wieder weg", sagt Misel (15). Timm ergänzt: "Ich geh dann Tennis spielen. Der, den ich hasse, ist dann der Ball."

Die beiden Schüler der Max-von-Laue-Oberschule kommen also ganz gut ohne Gewalt zurecht. Trotzdem finden sie es klasse, dass Lothar Berg in ihre Klasse kommt. Sein Buch mit Kurzgeschichten aus dem Kiez und aus dem Knast haben sie im Unterricht gelesen, danach hat jeder Schüler einen Brief mit ganz eigenen Gedanken zum Thema Gewalt an Berg geschrieben.

"Ich beantworte jeden Brief persönlich", sagt Berg. Erst danach kommt er in eine Klasse und spricht mit den Jugendlichen. Ein Pädagoge will er nicht sein, nur "ein Junge von der Straße".

Trotzdem hören die Heranwachsenden ihm gespannt zu. Dass er als ehemals "schwerer Junge" fasziniert, ist Berg klar. "Aber das ist nach 45 Minuten vorbei. Dann biege ich das um auf deren eigene Probleme".

Und davon gibt es einige. Fast jeder in der Klasse hat schon einmal Erfahrungen mit Gewalt gemacht oder kennt jemanden, der es hat.

Wie die 15-jährige Lisa. "Ich habe mich eingemischt, als ein Freund von mir auf der Schloßstraße sein Handy rausgeben wollte. Da habe ich eine Klatsche gekriegt", erzählt sie. Einmischen würde sie sich trotzdem wieder.

Das sollen die Jugendlichen auch in dem Schulprojekt mit Lothar Berg. Er will ihren Gemeinschaftssinn fördern, sie zur Zusammenarbeit bewegen.

Bei den Jungs der Klasse hat es schon geklappt. Sie wollen einen Gemeinschaftsraum mit Boxsack einrichten, in dem sie ihre Aggressionen ganz gefahrlos ausleben können. "Das Gerede von dem Sandsack sollte mich erst nur beeindrucken. Die Jungs wollten zeigen, wie hart sie drauf sind", erinnert sich Lothar Berg. Aber jetzt sind sie an der Arbeit. (ahr)
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